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Did you know that the Dude in The Big Lebowski is considered by many Buddhists to be a Zen master?

fragt Bernie Glassmann seinen Freund Jeff Bridges. Heißen die Coen-Brüder vielleicht Koan-Brüder? Steckt der Kultfilm aus den 90er Jahren etwa voller Koans? Diese Fragen aus der Einleitung von Jeff Bridges deuten schon an: Dieses Buch ist nichts für Zen-Puristen.

Bridges und Glassmann verabredeten sich auf der Ranch von Bridges in Montana, um 5 Tage zu “jammen”. In dem langen, freien Gespräch zwischen dem Zen-Meister und dem Dude-Darsteller mäandert ein Gedankenstrom von Thema zu Thema, umspült so manche Anekdote und reißt zahlreiche “coole” Sprüche mit sich. Das daraus destillierte Buch ist weder ein Wegweiser zur Erleuchtung noch eine Anleitung zur Meditation. Viel eher gewährt es einen Einblick, wie Menschen auf der Fährte des Zen durch ihren Alltag gehen. Der eigentliche Wert dieses Buches ist es, ohne falsch verstandene Ehrfurcht und mit einer gewissen Respektlosigkeit das, was man gewöhnlich über Zen weiß und denkt, vom Kopf auf die Füße zu stellen. Und siehe:

Zen ist auch eine Anleitung zur Kreativität

In Zen we say that the other shore is right here under our feet. What we’re looking for - the meaning of life, happiness, peace - is right her. So the question is no longer, how do I get from here to there? The question is: Ho do I get from here to here?

Die beiden Gesprächspartner gefallen sich dabei durchaus im Klopfen cooler Sprüche; in der dem Buch eigenen Ironie scheint die Erkenntnis durch, dass alles Gesprochene eben doch nur aus Worten besteht, die die eigentliche Erkenntnis höchstens umkreisen können. Neben Allgemeinplätzen stehen, manchmal ganz überraschend, sehr klare, einfache, einleuchtende Aussagen - und dann wiederum folgen lange, mitunter anrührende Erzählungen über das Privatleben und die Beziehungen der beiden Männer. Immer wieder nehmen sie natürlich auch die titelgebende Figur aus dem Coen-Film The Big Lebowski in den Blick:

In fact, the whole movie is about this loose, relaxed guy who gets all upset by life. But he’s not embarrassed about it, he’s not trying to live up to some persona, he’s always the Dude.

Der Dude macht sich nicht zu viele Gedanken, er versucht vor allem nicht jemand anders zu sein als der, der er in jedem Moment ganz einfach ist. Selbst Zen-Schüler begehen oft den Fehler, sich zu sehr in Vorstellungen darüber, wie sie zu sein oder zu praktizieren hätten, zu verlieren. “People hear that the practice is to live in the now, and they feel like a failure that they can’t do that,” erzählt Bernie Glassmann.

My experience is that when you really play your life rather than rehearse it, it’s beyond joy and sadness, you just feel much more alive. When you’re in a planning mode, all kinds of stuff come up: I should have done this, I should have done that, why didn’t I do that?

Things happen, life happens, and you’re jamming

Das Leben als eine Jam-Session: so zeigt es sich in den Gesprächen zwischen Glassmann und Bridges. Es geht darum, mitzuspielen, offen zu sein für das, was passiert, zu reagieren, sich einzulassen, weiterzugehen, in unablässiger Wechselwirkung, ohne ein Beharren auf Wahrheiten oder Vorstellungen. Auf diesem Weg zeigen diese Gespräche Möglichkeiten, wie Freiheit, Kreativität und Gemeinschaft im Alltag, in der Gegenwart, bestehen können. Sie zeigen auch, wohin man mit Praxis und Weisheit des Zen gelangen kann: in der Welt, nichts abgeschieden von ihr.


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